HelpClinic

Tägliche Unterstützung, bevor es richtig schwer wird

Streit mit meinen Eltern wartet nicht auf den nächsten Termin.

Cybermobbing, Druck durch andere und der Gedanke „Warum bin ich so unsicher?“ treffen dich genau jetzt. HelpClinic bietet kurze Tools für den Moment, KI-gestützte Begleitung, die das nächste Tool auswählt und deine tägliche Routine zusammenstellt, sowie Zugang zu einer Fachperson.

Hilfe für den schweren Moment

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Starte heute: in deinem Tempo, ohne dich für deine Gefühle rechtfertigen zu müssen.

Womit du am meisten kämpfst

  • Hate online
  • Druck
  • Selbstwert
  • Streit zu Hause
  • Identität
Du bist damit nicht allein
Beginne in deinem Tempo

Entwickelt mit Psycholog:innen und der Medizinischen Universität Łódź.

Kurze Texte, die den Anfang leichter machen

Hate online: wie du es nicht persönlich nimmst

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Ein beleidigender Kommentar kann dich beim Scrollen überraschen, unter einem eigenen Beitrag stehen oder in einer Gruppe auftauchen. Vielleicht kennst du die Person, vielleicht ist es ein fremdes Konto. Besonders schwer kann es sein, wenn andere den Kommentar sehen, darauf reagieren oder dich später darauf ansprechen. Dein Körper kann reagieren, als wäre die Gefahr direkt neben dir. Dann wird dein Kopf schnell voll mit Fragen wie: „Denken jetzt alle so über mich?“ Behandle diese Frage nicht sofort wie eine Tatsache.

Leg zuerst das Handy mit dem Display nach unten. Atme sechsmal ruhig aus, ohne nebenbei weiterzulesen. Benenne dann nur, was sicher passiert ist: „Jemand hat einen beleidigenden Kommentar gepostet.“ Trenne das Verhalten von deinem Wert: „Das ist das Onlineverhalten eines Menschen, keine Beschreibung meines Wertes.“ Wenn du merkst, dass du sofort antworten, alles löschen oder jeden Namen checken willst, warte. Antworte nicht in der ersten Anspannungswelle. Entscheide erst über den nächsten Schritt, wenn du den Kommentar wieder ansehen kannst, ohne direkt loszuschreiben.

Du bist nicht verpflichtet zu antworten. Falls du eine klare Grenze setzen möchtest, halte sie kurz: „Dieser Kommentar ist beleidigend. Lösche ihn und kontaktiere mich nicht weiter.“ Eine andere mögliche Nachricht lautet: „Ich diskutiere darüber nicht. Ich blockiere und melde den Account.“ Erkläre dich nicht Absatz für Absatz. Wenn nach deiner Antwort neue Beleidigungen kommen, beende das Gespräch und geh zu den Schutzschritten über. Schreib keiner zweiten oder dritten Person, um herauszufinden, wer angeblich was über dich denkt. Das zieht dich tiefer in die Situation hinein.

Mach einen Screenshot, auf dem der Kommentar, der Kontoname und das Datum zu sehen sind. Wenn es mehrere Vorfälle gibt, bewahre die Bilder an einem Ort auf und notiere kurz, wo sie erschienen sind. Danach kannst du den Account stummschalten, blockieren und melden. Dokumentieren heißt nicht, dass du übertreibst. Die Sammlung hilft dir, die Situation einem Erwachsenen, der Schule oder der Plattform zu zeigen. Bitte Freunde ausdrücklich: „Schick mir keine weiteren Kommentare zur Information. Wenn etwas Neues über mich gepostet wird, sag mir nur, dass es einen neuen Vorfall gibt.“

Wenn die erste Meldung nichts verändert und der Hate weitergeht, sichere auch den nächsten Vorfall und melde ihn erneut. Nutze dabei dieselbe kurze Beschreibung: „Dieses Konto veröffentlicht wiederholt beleidigende Inhalte über mich. Die Vorfälle sind dokumentiert.“ Kommen die Kommentare aus deinem schulischen Umfeld, zeig die Belege einer erwachsenen Person in der Schule und sage: „Diese Beiträge betreffen mich und wirken sich auf meinen Schulalltag aus. Bitte sehen Sie sich die Screenshots an und sagen Sie mir, was als Nächstes passiert.“ Wird dein Anliegen abgetan, wiederhole ruhig: „Die Situation geht weiter. Ich brauche konkrete Hilfe beim weiteren Vorgehen.“

Wähle eine sichere Person und werde möglichst konkret: „Jemand postet solche Dinge über mich. Ich brauche Hilfe beim Melden und möchte die Screenshots mit dir durchgehen.“ Wenn diese Person nicht reagiert oder deine Sorge kleinredet, versuche es bei einer anderen vertrauten erwachsenen Person. Wohnst du allein oder ist keine Familie in der Nähe, kann das eine erwachsene Person in der Schule sein. Ist jemand wegen Schichtarbeit schwer erreichbar, sende: „Ich muss heute mit dir über beleidigende Beiträge sprechen. Wann kannst du mich ungestört anrufen?“ Wenn du kein Geld hast, beginne mit Screenshot, Blockieren, Melden und dem Gespräch. Bei einer Sprachbarriere kannst du schreiben: „Deutsch fällt mir bei diesem Thema schwer. Bitte lies meine Nachricht langsam mit mir und hilf mir beim Melden.“

Nach dem Melden kann die Anspannung bleiben. Lege fest, wer nach neuen Beiträgen schaut, damit du nicht ständig selbst kontrollierst. Du kannst einer vertrauten Person schreiben: „Bitte schau einmal nach, ob noch etwas Neues gepostet wurde, und sag mir nur, ob ich einen weiteren Screenshot brauche.“ Benenne anschließend, was gerade da ist, zum Beispiel Wut, Scham, Angst oder Unruhe. Schreib dann den nächsten konkreten Schritt auf: „Heute sichere ich die Belege. Danach spreche ich mit einer erwachsenen Person.“ So musst du nicht alle möglichen Folgen gleichzeitig im Kopf lösen.

Beziehe einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater ein, wenn du wegen der Kommentare wiederholt nicht schlafen kannst, nicht mehr zur Schule gehst, dein Handy aus Angst kaum anfassen kannst oder gewöhnliche Aufgaben nicht mehr schaffst. Bitte eine vertraute erwachsene Person: „Seit den Kommentaren funktioniert mein Alltag nicht mehr wie sonst. Bitte hilf mir, mit einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater zu sprechen.“ Lass die Fachperson beurteilen, welche Unterstützung passt. Bei Drohungen, veröffentlichten persönlichen Daten, Erpressung oder Sorge um deine Sicherheit wende dich sofort an einen vertrauten Erwachsenen oder den Rettungsdienst. Zeig dabei die gesicherten Belege und sage klar: „Ich mache mir Sorgen um meine Sicherheit und brauche jetzt Hilfe.“

Wenn alle um dich herum besser zu sein scheinen

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Der Gedanke „alle sind besser“ taucht oft nach einem einzelnen Moment auf: Jemand antwortet schneller im Unterricht, bekommt mehr Reaktionen auf ein Foto, wirkt in der Gruppe sicherer oder kann etwas, das dir gerade schwerfällt. Dann legt dein Kopf verschiedene Menschen und Fähigkeiten in dieselbe Rangliste. Du vergleichst vielleicht deinen normalen Tag mit einem ausgewählten Bild oder deinen unsicheren Moment mit dem stärksten Moment eines anderen. Schreib zuerst nur den Auslöser auf: „Der Vergleich begann, als ...“

Halte danach an und werde genau. Frag dich: „Wer konkret? Worin genau? Aufgrund welches Moments?“ Trenne anschließend Beobachtung und Deutung. Eine Beobachtung wäre: „Sie bekam eine bessere Note.“ Die Deutung wäre: „Sie ist in allem besser als ich.“ Du musst die Deutung nicht sofort widerlegen. Formuliere sie enger: „Bei dieser Aufgabe war ihre Note besser als meine.“ Wenn du über Beliebtheit, Aussehen oder Selbstsicherheit nur Vermutungen hast, schreib dazu: „Das weiß ich nicht, ich nehme es gerade an.“

Zeichne nun zwei Spalten. Schreib in die erste drei Dinge, die dir unabhängig von Leistung wichtig sind, zum Beispiel Loyalität, Neugier, Humor, Mut oder Fürsorge. Ergänze in der zweiten Spalte für jeden Wert eine Handlung, die heute möglich ist. Zu Loyalität kann passen: „Ich frage einen Freund, wie es ihm geht.“ Zu Neugier: „Ich stelle im Unterricht eine Frage.“ Zu Mut: „Ich sage, dass ich etwas noch nicht verstanden habe.“ Wähle danach eine Handlung aus. Du musst dafür weder gewinnen noch besonders sicher wirken.

Wenn der Vergleich mitten am Tag zurückkommt, geh immer in derselben Reihenfolge vor. Benenne zuerst, was geschieht: „Mein Kopf erstellt schon wieder eine Rangliste.“ Sag dann genau, was du weißt und was du nur annimmst. Frag dich anschließend: „Was ist mein kleinster nächster Schritt?“ Das kann bedeuten, eine Aufgabe anzufangen, das Handy wegzulegen oder einer Person zu antworten. Wenn du festhängst, nutze diesen Satz: „Ich muss mich gerade nicht besser fühlen. Ich entscheide nur, was ich als Nächstes tue.“

Manchmal wird der Vergleich von anderen angefeuert, etwa durch Kommentare in der Klasse, in einer Gruppe oder unter einem Foto. Dann kannst du sagen oder schreiben: „Der Vergleich tut mir nicht gut. Bitte hör auf, mich mit anderen zu vergleichen.“ Wenn jemand behauptet, es sei nur Spaß, antworte: „Für mich ist es nicht lustig. Ich möchte, dass du das lässt.“ Wird weitergemacht, beende das Gespräch und zeig einem vertrauten Erwachsenen die konkreten Nachrichten oder Kommentare. Sag: „Ich habe es selbst angesprochen, aber es hört nicht auf. Bitte schau dir das mit mir an.“

Falls die erste Übung nichts verändert, mach daraus keinen weiteren Beweis gegen dich. Prüf stattdessen, welcher Teil nicht funktioniert hat. War die Aussage noch zu allgemein? Hast du versucht, gleichzeitig Schule, Aussehen und Freundschaften zu bewerten? Nimm nur einen Auslöser und eine Situation. Wenn du gerade keinen eigenen Wert findest, frag dich: „Wie möchte ich heute mit einer anderen Person umgehen?“ Wähle eine passende Handlung. Kommt der Vergleich durch bestimmte Beiträge immer wieder, leg das Handy vorübergehend weg oder öffne den betreffenden Inhalt nicht erneut.

Passe den Schritt an deine Lage an. Wenn du allein wohnst oder keine Familie in der Nähe hast, schreib einer vertrauten Person: „Ich hänge gerade in Vergleichen fest. Hast du heute Zeit, kurz zuzuhören?“ Bei Schichtarbeit notierst du den Auslöser sofort und suchst das Gespräch zu einer Zeit, zu der du wach und ansprechbar bist. Wenn du kein Geld hast, beginne mit Papier, einer Notiz im Handy oder einer Nachricht an einen vertrauten Erwachsenen. Bei einer Sprachbarriere kannst du deine Erklärung zuerst in der Sprache schreiben, in der du dich genauer ausdrücken kannst, und den Text zeigen. Ergänze: „Mir fehlen dafür manche deutschen Wörter. Bitte frag nach, wenn etwas unklar ist.“

Bezieh eine psychologische Fachperson ein, wenn die Gedanken dir wiederholt die Lust auf Schule, Menschen oder alltägliche Tätigkeiten nehmen. Achte auf beobachtbare Veränderungen: Du sagst Verabredungen wegen des Vergleichs ab, vermeidest regelmäßig den Unterricht, gibst gewohnte Tätigkeiten auf oder prüfst immer wieder, wie andere abschneiden. Schreib zwei oder drei konkrete Situationen auf und sag: „In letzter Zeit vergleiche ich mich so oft, dass ich Dinge vermeide, die sonst zu meinem Alltag gehören. Ich möchte darüber sprechen.“ Wenn ein vertrauter Erwachsener abwinkt, antworte: „Das belastet meinen Alltag und ich brauche Unterstützung dabei.“ Nimmt die Person dich weiterhin nicht ernst, wende dich mit denselben Beispielen an einen anderen vertrauten Erwachsenen oder direkt an eine psychologische Fachperson.

Wie du mit Eltern redest, wenn ihr euch nicht versteht

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Vielleicht beginnt ihr bei einem kleinen Thema und streitet wenige Minuten später über alles gleichzeitig. Deine Eltern unterbrechen dich, kontrollieren dein Handy oder entscheiden etwas, bevor du erklären kannst, was dich stört. Beginne dann kein wichtiges Gespräch mitten im Streit. Warte, bis ihr ruhiger seid, und bitte um einen festen Zeitpunkt: „Ich möchte etwas Wichtiges erklären. Können wir nach dem Abendessen zehn Minuten reden?“ Wenn gerade keine Zeit ist, frage direkt nach einem anderen Termin: „Wann passen dir heute oder morgen zehn Minuten?“

Schreib vorher drei Sätze auf. Im ersten beschreibst du, was konkret passiert ist. Im zweiten sagst du, wie du dich dabei fühlst. Im dritten formulierst du, was du brauchst. Zum Beispiel: „Wenn ihr ohne zu fragen mein Handy kontrolliert, bin ich wütend und fühle kein Vertrauen. Ich möchte Regeln für Privatsphäre vereinbaren.“ Bleib bei dem Ereignis, über das du wirklich sprechen willst. Wörter wie „immer“ und „nie“ lenken das Gespräch leicht zu alten Streits, die ihr an diesem Abend nicht lösen wolltet.

Beginne das Gespräch mit deinem Ziel, damit deine Eltern wissen, was du von ihnen erwartest: „Bitte hört mir erst zwei Minuten zu, bevor ihr antwortet.“ Lies deine drei Sätze ab, wenn du beim Sprechen den Faden verlierst. Danach kannst du fragen: „Kannst du bitte mit eigenen Worten wiederholen, was bei dir angekommen ist?“ Hör dir die Antwort an und korrigiere nur das, was missverstanden wurde: „Fast. Mir geht es vor allem darum, dass ihr vorher fragt.“ Wiederhole anschließend auch ihre Sicht, ohne ihr sofort zustimmen zu müssen.

Mach aus deinem Wunsch eine kleine, konkrete Regel. Statt „Vertraut mir endlich“ kannst du sagen: „Bitte fragt mich, bevor ihr mein Handy nehmt.“ Schlag vor, diese Regel eine Woche zu testen und danach noch einmal darüber zu reden. Frage auch, was deine Eltern brauchen, damit sie dem Versuch zustimmen können. Wenn ihre Forderung für dich nicht verständlich ist, bitte um ein Beispiel: „Was genau soll ich tun, damit ihr merkt, dass die Regel funktioniert?“ So besprecht ihr ein beobachtbares Verhalten statt gegenseitiger Vorwürfe.

Wird das Gespräch laut, unterbrich es, bevor du selbst nur noch schreist oder gar nichts mehr sagen kannst. Sage: „Ich möchte darauf zurückkommen, wenn wir ruhiger sind.“ Vereinbart möglichst sofort einen neuen Zeitpunkt. Falls deine Eltern nicht darauf eingehen, schick später eine kurze Nachricht: „Unser Gespräch ist abgebrochen. Das Thema ist mir weiterhin wichtig. Können wir morgen zehn Minuten ohne Unterbrechung darüber reden?“ Antworten sie wieder nicht, versuche es mit einem Elternteil allein. Du kannst auch deinen Text übergeben und dazuschreiben: „Bitte lies das erst vollständig. Danach möchte ich deine Antwort hören.“

Deine Eltern müssen nicht sofort zustimmen. Wenn der erste Versuch scheitert, prüfe, woran er konkret gescheitert ist. War der Zeitpunkt schlecht, frag nach einem neuen. Waren es zu viele Themen, wähle eines. Wurdest du unterbrochen, bitte beim nächsten Mal ausdrücklich um zwei Minuten Redezeit. Hast du dich nicht getraut, alles zu sagen, schick deine drei Sätze als Nachricht. Nach mehreren abgebrochenen Versuchen kannst du sagen: „Wir schaffen dieses Gespräch gerade nicht allein. Ich möchte eine erwachsene Person dabeihaben, die uns beim Zuhören hilft.“ Bitte dann eine andere erwachsene Person, eine Lehrkraft oder die Schulberatung um Unterstützung.

Wenn du allein oder nicht bei deiner Familie wohnst, kannst du denselben Ablauf per Telefon oder Nachricht verwenden. Leben deine Eltern weit weg, vereinbare eine Uhrzeit, zu der niemand nebenbei unterwegs ist. Bei Schichtarbeit frag nach dem nächsten gemeinsamen freien Moment und schick deine drei Sätze vorher. Wenn Geld knapp ist, beginne mit einer Lehrkraft oder der Schulberatung, statt das Gespräch immer weiter aufzuschieben. Bei einer Sprachbarriere helfen kurze Sätze ohne Redewendungen. Du kannst eine vertraute erwachsene Person bitten, deinen Text mit dir zu formulieren oder beim Gespräch dabeizubleiben.

Beziehe eine Lehrkraft oder die Schulberatung ein, wenn jeder Gesprächsversuch sofort abgebrochen wird, du aus Angst vor der Reaktion gar nicht mehr anfängst oder derselbe Konflikt deinen Alltag wiederholt bestimmt. Nimm deine drei Sätze und zwei konkrete Beispiele mit. Sage: „Ich habe mehrmals versucht, mit meinen Eltern darüber zu sprechen. Wir kommen nicht zu einer Vereinbarung. Können Sie mir helfen, das nächste Gespräch vorzubereiten oder dabei zu sein?“ Wenn du zu Hause Gewalt befürchtest oder dich nicht sicher fühlst, warte nicht auf einen besseren Gesprächszeitpunkt. Wende dich dringend an einen vertrauten Erwachsenen oder den zuständigen Notdienst.

Dein Wert ist keine Zahl von Likes

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Vielleicht lädst du ein Foto, ein Video oder einen Gedanken hoch und bist zunächst zufrieden. Dann kommen weniger Reaktionen als erhofft. Du öffnest die App erneut und vergleichst deinen Post mit anderen. Aus einem Blick werden viele kurze Kontrollen. Dabei zeigt die Zahl nur, wie viele Reaktionen dieser Post zu diesem Zeitpunkt bekommen hat. Sie sagt nicht, ob du ein guter Freund oder ein interessanter Mensch bist. Wenn dein Kopf daraus ein Urteil macht, benenne es: „Mein Kopf versucht gerade, aus einem Zähler eine Wertnote für mich zu machen.“

Beginne vor dem Posten. Frage dich: „Was möchte ich damit zeigen oder teilen?“ Schreib die Antwort kurz auf, zum Beispiel: „Ich mag das Bild und möchte es teilen.“ Lege danach die Regel fest: Benachrichtigungen aus und eine Stunde lang keine Reaktionen checken. Einer vertrauten Person kannst du vorher schreiben: „Ich poste gleich etwas und werde danach unruhig. Kannst du mich in dieser Stunde mit einem anderen Thema ablenken?“ So musst du das Gefühl nicht erst erklären, wenn es schon groß ist.

Fülle die Stunde mit etwas, das du direkt erlebst und bei dem kein Zähler über dich entscheidet. Hör Musik, geh mit dem Hund raus, zeichne oder schreib über etwas anderes als den Post. Wenn du allein wohnst oder niemand erreichbar ist, leg das Handy außer Sichtweite und beschäftige deine Hände. Kommt der Impuls zum Checken, sag: „Ich will gerade Gewissheit. Ich warte bis zum festgelegten Zeitpunkt.“ Öffnest du die App trotzdem, schließe sie wieder und setze die Stunde fort. Ein Ausrutscher beendet deinen Plan nicht.

Wenn die Stunde vorbei ist, öffne den Post bewusst, statt nebenbei nachzusehen. Achte darauf, was in deinem Körper und deinen Gedanken passiert. Vielleicht wird dein Bauch eng oder der Satz „Das war peinlich“ taucht auf. Formuliere nüchtern: „Der Post hat diese Anzahl von Reaktionen. Mein Kopf erzählt mir, dass ich nicht gut genug bin.“ Antworte: „Die Reaktionen gehören zum Post, nicht zu meinem Wert.“ Klappt einmaliges Checken nicht, melde dich aus der App ab, verschiebe sie vom Startbildschirm oder bitte jemanden, dich an deine Regel zu erinnern.

Lösche einen Post nicht im ersten Moment der Scham. Warte mit der Entscheidung bis zum nächsten Tag. Schreib dir: „Ich entscheide morgen, ob der Post noch zu mir passt. Heute entscheide ich nicht aus Panik.“ Wenn du glaubst, andere würden über dich reden, frag nicht die ganze Gruppe. Wähle eine Person und schreibe: „Ich schäme mich wegen der wenigen Reaktionen. Kannst du kurz mit mir über etwas anderes schreiben?“ Antwortet sie nicht, probiere eine zweite vertraute Person oder geh zu einer erwachsenen Person, bei der du dich sicher fühlst.

Führe eine private Liste mit Belegen, die niemand liken kann. Notiere Handlungen, keine allgemeinen Komplimente: „Ich habe mein Wort gehalten.“ „Ich habe jemandem geholfen.“ „Ich habe etwas trotz Nervosität versucht.“ „Ich habe mich ausgeruht, als ich es brauchte.“ Fällt dir nichts ein, frage kleiner: „Was habe ich heute getan, das fair, mutig oder fürsorglich war?“ Auch „Ich habe aufgehört zu checken, obwohl ich es noch wollte“ zählt. Blende die Anzahl der Likes aus und begrenze deine Zeit in der App, wenn dir diese Einstellungen helfen.

Passe den Plan an deinen Alltag an. Ist keine Familie in der Nähe, bestimme eine andere vertraute Person. Bei Schichtarbeit beginnt deine Stunde nach dem Posten, nicht zu einer festen Uhrzeit. Wenn du kein Geld hast, nutze Schritte, die nichts kosten: Benachrichtigungen ausschalten, das Handy weglegen, Notizen schreiben und jemanden kontaktieren. Wenn dir im Gespräch die Wörter fehlen, kannst du diese Nachricht vorbereiten oder zeigen: „Ich finde gerade nicht alle Wörter. Die Anzahl der Likes beeinflusst stark, wie ich über mich denke. Bitte hör mir erst zu und hilf mir dann, den nächsten Schritt zu planen.“

Hol dir professionelle Unterstützung, wenn du konkret merkst, dass der Druck deinen Alltag bestimmt: Du schläfst nicht, weil du weitercheckst, meidest Schule oder Arbeit nach einem Post, lässt Mahlzeiten aus, ziehst dich zurück oder löschst immer wieder Inhalte aus Scham. Sag einer vertrauten erwachsenen Person: „Die Reaktionen auf meine Posts bestimmen inzwischen, ob ich schlafe, zur Schule gehe oder mich mit anderen treffe. Meine Regeln reichen nicht. Bitte hilf mir, professionelle Unterstützung zu finden.“ Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, sag das sofort und bleib bei dieser Person. Sende bei Bedarf: „Ich habe gerade Gedanken, mir etwas anzutun. Bitte bleib bei mir und hol jetzt Hilfe.“

Folgen von Cybermobbing früh erkennen

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Vielleicht zuckst du beim Handyton zusammen, öffnest einen Chat immer wieder oder legst das Handy weg und denkst trotzdem an die Nachrichten. In der Schule fällt es dir schwerer, dich zu konzentrieren. Du meldest dich seltener, meidest bestimmte Kontakte oder überlegst morgens, wie du anderen aus dem Weg gehen kannst. Abends liegst du länger wach. Solche Veränderungen lassen sich leichter erklären, wenn du sie an konkreten Situationen festmachst.

Nimm dir heute nach der Schule zehn Minuten und überschreibe drei kurze Abschnitte mit „Schlaf“, „Schule“ und „Apps“. Schreib darunter nur auf, was du tatsächlich bemerkst. Zum Beispiel: „Ich bin zweimal aufgewacht und habe den Chat geöffnet.“ Oder: „Ich konnte bei einer Aufgabe nicht bei der Sache bleiben.“ Ergänze, was beim Handyton in deinem Körper passiert und was du seit den Angriffen vermeidest. Du musst keine Erklärung oder Diagnose finden. Die Stichworte sollen zeigen, was sich in deinem Alltag verändert hat.

Schalte danach die Benachrichtigungen des betroffenen Chats für den restlichen Tag aus. Entscheide vorher, was du später einer sicheren Person zeigen möchtest, und speichere es so, dass du den Chat nicht ständig erneut öffnen musst. Lege das Handy anschließend außer Sichtweite oder gib es für eine Weile einer sicheren Person. Sage deutlich, was du brauchst: „Bitte behalte mein Handy bis heute Abend. Ich gehe sonst immer wieder in den Chat und möchte eine Pause davon haben.“ Falls du das Handy behalten musst, bestimme einen festen Ort dafür und öffne den betroffenen Chat bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht.

Wähle nun eine erwachsene Vertrauensperson und beschreibe zuerst die Folgen, statt alles gleichzeitig erzählen zu wollen. Du kannst sagen oder senden: „Seit dem Cybermobbing schlafe ich schlechter, kann mich in der Schule schwerer konzentrieren und meide Kontakte. Ich möchte, dass du mir hilfst, morgen mit der Schule zu sprechen.“ Bitte um eine konkrete Handlung: „Kannst du mit mir eine Vertrauenslehrkraft oder die Schulsozialarbeit ansprechen?“ Am nächsten Schultag sollte ein Gespräch mit einer Vertrauenslehrkraft oder der Schulsozialarbeit feststehen. Nimm deine Stichworte mit, damit du unter Stress nichts zusammensuchen musst.

Manchmal antwortet die erste Person mit „Ignorier das einfach“, wechselt das Thema oder meldet sich nicht. Dann formuliere deinen Bedarf noch einmal ohne lange Rechtfertigung: „Ich habe versucht, es auszublenden. Mein Schlaf und mein Schulalltag haben sich trotzdem verändert. Ich brauche heute Hilfe bei der Vereinbarung eines Gesprächs.“ Reagiert die Person wieder nicht, wende dich an eine zweite sichere Person, eine Vertrauenslehrkraft oder die Schulsozialarbeit. Wenn jemand nur vage Hilfe verspricht, frage direkt: „Wann genau sprechen wir darüber, und wer kommt mit?“

Wenn du allein wohnst oder keine Familie in der Nähe hast, beginne direkt bei einer Vertrauenslehrkraft oder der Schulsozialarbeit. Eine sichere Person muss nicht aus deiner Familie kommen. Arbeitest du in einer Ausbildung im Schichtdienst, nenne bei der Anfrage gleich die Zeiten, zu denen du erreichbar bist: „Ich arbeite diese Woche in Schicht. Ich kann vor meiner Schicht oder direkt danach sprechen.“ Wenn Geld knapp ist, sag das bei der Anmeldung in der Hausarztpraxis oder bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und frage, welcher nächste Schritt für dich möglich ist. Bei einer Sprachbarriere kannst du deine Stichworte vorlesen, die fertigen Sätze zeigen oder eine sichere Person bitten, beim Gespräch dabeizubleiben. Sage: „Ich finde auf Deutsch nicht immer die richtigen Worte. Bitte lassen Sie mir Zeit, meine Notizen zu zeigen.“

Beobachte in den nächsten Tagen dieselben Bereiche: Schlaf, Schule, Apps und Kontakte. Eine Fachperson sollte einbezogen werden, wenn die Belastung bleibt oder deinen Alltag deutlich verändert. Das lässt sich an Dingen erkennen, die du sehen oder aufschreiben kannst: Du schläfst weiter schlechter, kannst Aufgaben kaum zu Ende bringen, vermeidest bestimmte Kontakte oder schaffst es trotz der Pause nicht, Abstand vom betroffenen Chat zu halten. Warte nicht darauf, die Folgen perfekt beschreiben zu können. Deine Notizen und zwei konkrete Beispiele reichen aus, um das Gespräch zu beginnen.

Eine erwachsene Vertrauensperson kann einen Termin in der Hausarztpraxis oder bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vereinbaren. Bei der Anmeldung kannst du sagen: „Cybermobbing belastet mich im Alltag und ich brauche ein Gespräch.“ Falls nach Details gefragt wird, ergänze: „Ich schlafe schlechter, meine Konzentration in der Schule hat sich verändert und ich meide Kontakte.“ Notiere vor dem Termin, was du erzählen willst, und schreibe danach den vereinbarten nächsten Schritt auf. Wenn du etwas nicht verstanden hast, frage: „Können Sie mir bitte noch einmal sagen, was ich jetzt konkret tun soll?“ Bei konkreten Drohungen schaltet ihr zusätzlich die Polizei ein.

Ist Cybermobbing strafbar? Das kannst du jetzt tun

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Vielleicht erscheint in einem Gruppenchat eine abwertende Nachricht über dich. Vielleicht wird eine private Aufnahme weitergeschickt, ein Profil gegen dich benutzt oder dir wird etwas angedroht. Cybermobbing ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Einzelne Handlungen können trotzdem strafbar sein, etwa Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigung oder das Verbreiten privater Aufnahmen. Entscheidend ist der konkrete Inhalt: was geschrieben, gezeigt oder weitergeleitet wurde, von welchem Konto und in welchem Zusammenhang. Du musst das nicht selbst rechtlich einordnen. Dein erster Schritt ist, das sichtbare Material unverändert zu sichern.

Der Kontakt zur anderen Person kann warten. Mache zuerst Screenshots, auf denen der Kontoname, das Datum und die ganze Nachricht erkennbar sind. Ist ein Beitrag länger als ein Bildschirm, sichere mehrere Abschnitte so, dass man ihre Reihenfolge nachvollziehen kann. Speichere außerdem den Link und notiere, in welchem Chat, Profil oder Beitrag du den Inhalt gefunden hast. Verändere die Dateien nicht. Leite sie auch nicht an Freunde weiter, selbst wenn du erklären möchtest, was passiert ist.

Lege die Dateien an einem Ort ab, an dem du sie wiederfindest. Schreibe daneben kurz auf, wann du den Inhalt gesehen hast und wer ihn ebenfalls gesehen haben könnte. Halte dich an das, was erkennbar ist, und übernimm wichtige Formulierungen genau. Falls Freunde dieselbe Nachricht erhalten haben, kannst du ihnen schreiben: „Bitte lösche nichts und leite nichts weiter. Sichere bei dir den Kontonamen, das Datum und die vollständige Nachricht.“ So entstehen keine zusätzlichen Kopien in weiteren Chats.

Such dir danach eine erwachsene Vertrauensperson. Du kannst sagen: „Ich möchte prüfen lassen, ob das strafbar ist. Bitte hilf mir, die Belege zu sichern und den nächsten Schritt zu klären.“ Wenn du allein wohnst oder keine Familie in der Nähe hast, kann das eine Lehrkraft oder eine andere erwachsene Person sein, bei der du dich sicher fühlst. Arbeiten deine Eltern im Schichtdienst, sende: „Ich brauche heute deine Hilfe wegen Nachrichten über mich. Bitte ruf mich an, sobald du kannst.“ Wenn Geld knapp ist, beginne mit den vorhandenen Screenshots und Notizen, du musst für diese Schritte nichts kaufen. Bei einer Sprachbarriere kannst du deine Sätze vorher aufschreiben und die Vertrauensperson bitten, dich beim Gespräch zu begleiten.

Mit dieser Person kannst du das Material der Polizei zeigen. Nimm die gespeicherten Dateien, Links und Notizen mit und frage: „Welche Inhalte soll ich im Original aufbewahren, und was brauchen Sie noch von mir?“ Die Polizei prüft den konkreten Fall. Du musst selbst keine Straftat benennen. Wenn du im ersten Gespräch erstarrst oder etwas vergisst, lies deine vorbereitete Notiz vor. Hat das nicht geklappt, geh noch einmal mit deiner Vertrauensperson hin und beginne mit dem Satz: „Beim ersten Mal konnte ich nicht alles erklären. Ich habe die Informationen jetzt geordnet dabei.“

Sind Mitschüler beteiligt, sollte die Schule noch am selben Tag davon erfahren. Sage oder schreibe: „In einem Chat oder Profil werden Inhalte über mich verbreitet. Ich habe Belege gesichert und brauche heute eine erwachsene Ansprechperson.“ Zeige das Material möglichst gemeinsam mit deiner Vertrauensperson. Ist die erste Lehrkraft nicht erreichbar oder nimmt dein Anliegen nicht auf, wende dich an eine andere erwachsene Person in der Schule. Sage deutlich: „Ich habe bereits versucht, das zu melden. Bitte halten Sie fest, an wen ich mich jetzt wenden kann, falls weitere Nachrichten erscheinen.“

Nachdem die Belege gesichert sind, kannst du den Kontakt stumm schalten oder sperren, falls die jeweilige Funktion sichtbar ist. Bitte Freunde, dir keine Kommentare oder neuen Beiträge darüber weiterzuleiten. Taucht der Inhalt über ein anderes Konto oder in einer weiteren Gruppe auf, wiederhole dieselbe Reihenfolge: sichern, Fundstelle notieren, erwachsene Person informieren. Ist ein Beitrag schon verschwunden, schreibe nur auf, was du noch sicher weißt, einschließlich Kontoname, Zeitpunkt und möglicher Zeugen. Ergänze nichts aus Vermutungen. Bitte Personen, die das Original noch sehen können, es selbst zu sichern und nicht weiterzuleiten.

Achte darauf, was sich in deinem Alltag konkret verändert. Wenn du wegen der Nachrichten den Unterricht meidest, kaum schlafen kannst, Mahlzeiten auslässt, einfache Aufgaben nicht mehr schaffst oder dein Handy ständig kontrollieren musst, bitte deine Vertrauensperson um professionelle Unterstützung. Du kannst sagen: „Seit den Nachrichten komme ich im Alltag nicht mehr zurecht. Bitte hilf mir, mit einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder einem Kinder- und Jugendpsychiater zu sprechen.“ Bei einer konkreten Gefahr für dich gehst du sofort zu einer sicheren erwachsenen Person und nutzt die Notfall- und Hilfenummern im Kontaktblock dieser Seite. Wenn du gerade allein bist, bleib nicht nur im Chat, sondern geh zu dieser Person oder ruf sie an und öffnet den Kontaktblock gemeinsam.

Warum bin ich so unsicher geworden?

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Vielleicht merkst du die Unsicherheit zuerst an Kleinigkeiten: Du löschst eine Nachricht mehrmals, meldest dich im Unterricht nicht mehr oder überlegst lange, ob andere über dich reden. Vielleicht prüfst du jedes Foto von dir oder sagst Treffen ab, obwohl du eigentlich gern hingehen würdest. Manchmal lässt sich ein Anfang erkennen, etwa Kritik, Ausgrenzung, ein Streit, ein peinlicher Moment oder viele Vergleiche. Das beweist nicht, dass mit dir etwas falsch ist. Es gibt dir einen Ansatzpunkt, an dem du genauer hinschauen kannst.

Schreib heute den Satz „Unsicher fühle ich mich seit …“ und ergänze die erste Situation, die dir einfällt. Beschreibe danach nur, was du noch weißt: Wo warst du, wer war dabei und was wurde gesagt oder getan? Ergänze dann: „Seitdem befürchte ich oft, dass …“ Vielleicht lautet das Ende „andere mich peinlich finden“ oder „ich wieder etwas falsch mache“. So suchst du nach einem möglichen Anfang statt nach einem Fehler in dir. Falls dir kein einzelnes Erlebnis einfällt, notiere, in welchen Situationen die Unsicherheit besonders auffällt.

Achte beim Schreiben auf den Unterschied zwischen Beobachtung und Vermutung. „Im Gruppenchat kam keine Antwort“ ist eine Beobachtung. „Alle sind genervt von mir“ ist eine Vermutung. Du musst die Vermutung nicht wegreden. Schreib einfach daneben: „Ich weiß nicht, was sie gedacht haben. Ich weiß nur, was ich gesehen und gehört habe.“ Bei abwertenden Nachrichten kannst du ebenfalls die genauen Worte festhalten, ohne daraus ein Urteil über deinen Wert zu machen.

Wähle als Nächstes eine kleine Situation, die du aus Unsicherheit sonst vermeidest. Beantworte eine harmlose Nachricht, stell im Unterricht eine kurze Frage oder sag bei einer kleinen Entscheidung, was du möchtest. Schreib vorher eine konkrete Befürchtung auf, zum Beispiel: „Ich glaube, dass jemand über meine Frage lacht.“ Mach dann nur diesen Schritt. Danach notierst du, was tatsächlich passiert ist. Bleib bei sichtbaren Reaktionen und hörbaren Worten. Gedanken anderer kannst du nicht beobachten.

Vergleiche anschließend deine Befürchtung mit dem Ergebnis. Vielleicht ist gar nichts Auffälliges passiert. Vielleicht gab es eine unangenehme Reaktion. Beides ist brauchbar, weil du nun eine konkrete Situation statt eines pauschalen Urteils ansiehst. Probiere denselben kleinen Schritt an einem weiteren Tag noch einmal. Wenn dein Kopf sofort verallgemeinert, antworte schriftlich: „Das ist heute passiert. Ich weiß noch nicht, ob es jedes Mal so sein wird.“

Falls du den Schritt nicht schaffst, mach ihn kleiner. Statt eine Nachricht sofort zu senden, kannst du erst einen Entwurf schreiben. Statt im Unterricht zu sprechen, formulierst du deine Frage vorher vollständig. Wird es beim nächsten Versuch wieder zu viel, notiere, an welchem Moment du abgebrochen hast und was du befürchtet hast. Wähle danach eine weniger belastende Situation. Ziel ist nicht, dich zu zwingen, sondern genauer zu erkennen, wann die Unsicherheit übernimmt.

Wenn du allein wohnst oder keine Familie in der Nähe hast, kannst du einer erwachsenen Vertrauensperson schreiben: „Ich brauche ein Gespräch. Es fällt mir gerade schwer, mich selbst richtig einzuschätzen.“ Bei Schichtarbeit suchst du keinen perfekten Zeitpunkt, sondern einen erreichbaren Moment vor oder nach der Arbeit. Hast du kein Geld, kauf nichts für diese Schritte. Papier oder eine Notiz im Handy genügt. Sag bei einem professionellen Gespräch offen: „Ich kann nichts bezahlen. Bitte erklären Sie mir, welche nächsten Schritte für mich möglich sind.“

Bei einer Sprachbarriere kannst du deine wichtigsten Sätze vorher aufschreiben und im Gespräch zeigen. Zum Beispiel: „Ich verstehe nicht jedes Wort. Bitte sprechen Sie langsam und sagen Sie mir den nächsten Schritt noch einmal.“ Bleibt eine erste Vertrauensperson vage oder nimmt dich nicht ernst, sag genauer: „Ich wünsche mir nicht nur einen allgemeinen Rat. Bitte hilf mir, Kontakt zu einer passenden Fachperson aufzunehmen.“ Du kannst die Bitte auch senden. Reagiert die Person wieder nicht hilfreich, wende dich an eine andere erwachsene Vertrauensperson.

Zeit für professionelle Unterstützung ist es, wenn die Unsicherheit in den nächsten Tagen stark bleibt oder dich erkennbar von Schule, Schlaf oder Kontakten abhält. Achte auf konkrete Veränderungen: Du gehst nicht hin, obwohl du gehen möchtest, liegst wegen derselben Befürchtung lange wach oder ziehst dich immer häufiger zurück. Sag einer erwachsenen Vertrauensperson: „Ich ziehe mich zurück, weil ich ständig Angst habe, etwas falsch zu machen. Ich möchte Hilfe beim Einordnen.“ Du kannst damit in eine Hausarztpraxis oder zu einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gehen. Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung. Nimm deine Notizen mit und beginne mit: „Seit dieser Situation hat sich mein Verhalten verändert. Das sind die Dinge, die ich inzwischen vermeide.“

Ich hasse mein Aussehen: Was du heute tun kannst

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Wenn du gerade denkst „Ich hasse mein Aussehen“, leg das Handy für zehn Minuten außer Reichweite und geh einen Schritt vom Spiegel weg. Lass die Frontkamera für den restlichen Abend aus. Du musst jetzt weder herausfinden, ob du gut aussiehst, noch dich vom Gegenteil überzeugen. Ersetze das Urteil durch eine genaue Beschreibung: „Dieses Foto gefällt mir nicht“, „Ich sehe heute müde aus“ oder „Ich mag gerade nicht, wie dieses Oberteil sitzt.“ Falls dir kein neutraler Satz einfällt, sag nur: „Ich bewerte mich gerade sehr hart.“ Das beschreibt, was im Moment passiert, ohne deinen ganzen Körper zu einem Problem zu machen.

Schau danach auf die letzten fünf Minuten vor dem Gedanken. Hast du ein bestimmtes Profil angesehen, einen Kommentar gelesen, ein Foto aufgenommen oder dich mit jemandem verglichen? Schreib den Auslöser in einem Satz auf: „Der Gedanke wurde stärker, nachdem ich das Foto gesehen habe.“ Schalte das Profil, den Chat oder die Benachrichtigung für heute stumm. Lösche nicht sofort alle Fotos und nimm nicht gleich neue auf. Beides kann dazu führen, dass du immer weiter nach einem Bild suchst, das sich endlich richtig anfühlt. Entscheide stattdessen: „Ich sehe mir das morgen noch einmal an, heute bewerte ich es nicht weiter.“

Mach den nächsten Schritt körperlich einfach. Zieh etwas an, in dem du sitzen, gehen und atmen kannst, ohne dauernd daran zu zupfen. Geh in einen Raum, in dem du nicht ständig dein Spiegelbild siehst, und beschäftige deine Hände mit etwas Alltäglichem. Wenn der Gedanke zurückkommt, führe keine neue Diskussion mit ihm. Wiederhole denselben Satz: „Ich habe diesen Gedanken schon bemerkt. Ich mache heute keinen weiteren Spiegelcheck.“ Dein Ziel ist für diesen Abend eine Pause vom Bewerten. Ein gutes Urteil über deinen Körper musst du nicht herstellen.

Wenn ein Kommentar oder ein Vergleich von einer anderen Person kam, sag möglichst konkret, was du brauchst. Du kannst schreiben: „Vergleiche mein Aussehen bitte nicht mit anderen, auch nicht als Kompliment.“ Oder: „Ich möchte heute keine Kommentare zu meinem Körper oder meinen Fotos hören.“ Wenn die Person lacht, diskutiert oder trotzdem weitermacht, musst du sie nicht überzeugen. Beende den Chat, geh aus dem Raum oder wiederhole einmal: „Ich meine das ernst. Bitte hör damit auf.“ Danach wende dich an eine andere vertraute Person und sag: „Der Kommentar hängt bei mir fest. Bleib bitte kurz bei mir, ohne mein Aussehen zu bewerten.“

Vielleicht antwortet die erste vertraute Person mit „Das stimmt doch gar nicht“ oder macht dir viele Komplimente. Das kann gut gemeint sein und trotzdem nicht helfen, weil du dann weiter über dein Aussehen sprechen musst. Sag genauer, was du brauchst: „Bitte versuch nicht, mich zu überzeugen. Hilf mir, für heute mit dem Kontrollieren aufzuhören.“ Du kannst auch um eine konkrete Handlung bitten: „Kannst du zehn Minuten mit mir telefonieren?“ oder „Kannst du mein Handy kurz nehmen, während ich mich umziehe?“ Wenn die Person nicht reagiert, schreib einer zweiten erwachsenen Vertrauensperson. Kopiere denselben Satz, damit du nicht alles neu erklären musst.

Wenn du allein wohnst oder keine Familie in der Nähe hast, plane den Kontakt vorher: eine Nachricht, ein Anruf oder ein verabredeter Zeitpunkt, zu dem du dich meldest. Bei Schule oder Schichtarbeit kann die Nachricht kurz sein: „Ich kann gerade nicht ausführlich reden. Bitte melde dich nach meiner Schicht bei mir.“ Wenn du kein Geld hast, sag das bei der Terminfrage direkt: „Ich brauche Hilfe und habe kein Geld. Bitte erklären Sie mir, welche nächsten Schritte für mich möglich sind.“ Bei einer Sprachbarriere kannst du deinen Satz vorlesen, auf dem Handy zeigen oder eine vertraute Person bitten, beim Gespräch dabeizubleiben. Du kannst ergänzen: „Ich verstehe nicht alles. Bitte sprechen Sie langsam und erklären Sie den nächsten Schritt noch einmal.“

Beobachte nicht, ob du dich hässlich genug für Hilfe fühlst. Achte darauf, was du tatsächlich tust. Lässt du wegen deines Aussehens Mahlzeiten aus? Meidest du die Schule, Fotos, Gespräche oder Orte, an denen andere dich sehen könnten? Kontrollierst du deinen Körper immer wieder im Spiegel, mit der Frontkamera oder durch neue Aufnahmen? Bestimmt der Gedanke, was du isst, anziehst oder wohin du gehst, ist es Zeit, eine Fachperson einzubeziehen. Schreib zwei oder drei konkrete Beispiele auf, etwa: „Ich habe heute eine Mahlzeit ausgelassen“ oder „Ich bin nicht zur Schule gegangen, weil ich nicht gesehen werden wollte.“

Zu einer erwachsenen Vertrauensperson kannst du sagen: „Meine Gedanken über mein Aussehen bestimmen gerade, was ich esse und wohin ich gehe. Ich brauche einen Termin.“ Wenn du zunächst nicht ernst genommen wirst, wiederhole die beobachtbaren Folgen: „Es geht nicht um einen schlechten Tag. Ich lasse Mahlzeiten aus und meide die Schule. Bitte hilf mir, einen Termin zu vereinbaren.“ In einer Hausarztpraxis oder bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten kannst du den nächsten Schritt klären. Lies dort deine Notizen vor oder zeig sie auf dem Handy. Eine App kann dir bis zu diesem Gespräch helfen, Gedanken zu benennen und Sätze vorzubereiten, sie ersetzt das Gespräch mit der Fachperson nicht.

Der Druck ist täglich; deine Unterstützung kann es auch sein

Mit deinen Eltern zu reden ist oft am schwersten, wenn der Streit schon läuft. Du kannst zwei Minuten lang aufschreiben, was passiert ist und was du jetzt brauchst. HelpClinic bietet kurze Tools für solche Momente. Die KI-gestützte Begleitung wählt das nächste Tool aus und stellt deine tägliche Routine zusammen. HelpClinic ersetzt keine Therapie. Der KI-Begleiter ist kein:e Therapeut:in und kein Krisendienst. Wenn du mehr Unterstützung brauchst, kannst du mit einer Fachperson sprechen.

Ausmaß
1 von 710- bis 19-Jährigen weltweit lebt mit einer psychischen Störung
Zwischen Terminen
Tägliche RoutineDer KI-Begleiter schlägt kurze Übungen für die kommenden Tage vor. Er ist weder Therapeut:in noch Krisendienst.
Erstes Gespräch
VertrauenspersonJugendliche können einer erwachsenen Vertrauensperson oder einer Fachperson sagen, was sich verändert hat und seit wann.

„Ich wollte nicht gleich zu Therapeut:innen. Ich wollte erst etwas für mich, für die schweren Abende.“

Vom ersten Signal zu echter Veränderung

Schau, wie es dir geht

Kurze Fragen, ohne Wertung: was heute drückt: Hate, Druck oder Streit zu Hause.

Tools für schwere Momente

Fundierte Atemübungen, Journaling-Impulse sowie Techniken aus KVT und ACT, verfügbar, wenn du sie brauchst.

Routinen, Schritt für Schritt

KI-gestützte Begleitung nutzt deine Antworten, um das nächste Tool auszuwählen und deine tägliche Routine zusammenzustellen.

Therapeut:innen für Teens

Wenn Selbsthilfe nicht ausreicht, kannst du eine Einzelsitzung mit einer geprüften Fachperson buchen.

Häufig gestellte Fragen

Ersetzt HelpClinic eine Therapie?

Nein. HelpClinic bietet tägliche Unterstützung zwischen und vor den Sitzungen. Es gibt dir Werkzeuge für den Moment, und du kannst bei Bedarf eine Sitzung mit einer geprüften Fachperson buchen. In einer Krise ersetzt es keine menschliche Hilfe.

Was ist der KI-Begleiter: ist das ein:e Therapeut:in?

KI-gestützte Begleitung nutzt deine Antworten, um das nächste Tool auszuwählen und deine tägliche Routine zusammenzustellen. Sie ist weder Therapeut:in noch Krisendienst und erkennt eine Krise möglicherweise nicht. Bei akuter Gefahr nutze die Nummern unten.

Erfahren meine Eltern davon?

Wir informieren weder deine Eltern noch deine Schule. Anonym ist das Konto aber nicht: Beim Anmelden gibst du einige Basisdaten an. Ein Konto kannst du ab 16 anlegen, und wenn du noch nicht 18 bist, muss ein Elternteil oder eine erziehungsberechtigte Person dem Vertrag zustimmen; die Regeln stehen in den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzerklärung. Alles auf dieser Seite, auch die Nummern der Krisenhilfe, funktioniert ohne Konto und in jedem Alter. Deine Daten sind verschlüsselt und gehen nur mit deiner Zustimmung an eine Fachperson.

Was kostet es?

Du startest kostenlos, ohne Kartendaten. Deine Einschätzung, die täglichen Tools und Hilfe für schwere Momente bleiben dauerhaft gratis. Ein optionales Abo schaltet die volle Bibliothek und Routinen frei, und menschliche Betreuung: Gruppen und 1:1-Sitzungen, die du buchen kannst. Keine versteckten Kosten.

Was, wenn sich das „nicht schlimm genug“ anfühlt?

Es muss nicht schlimm sein, um zu zählen. HelpClinic ist genau dafür da, dich früh zu unterstützen, bevor eine Belastung größer wird.

Wie kann man sich wehren, wenn man gemobbt wird?

Du kannst dich wehren, indem du Beweise sicherst, den Kontakt blockierst und eine erwachsene Vertrauensperson einbeziehst. Mache zuerst Screenshots mit Name, Datum und Uhrzeit, ohne die Nachricht weiterzuschicken. Melde den Inhalt dann bei der Plattform und in der Schule.

Welche 3 Arten von Cybermobbing gibt es?

Drei häufige Arten von Cybermobbing sind Angriffe, Ausschluss und Bloßstellung. Dazu gehören beleidigende Nachrichten, absichtliches Ausgrenzen aus Chats sowie das Teilen peinlicher Bilder oder privater Inhalte. Sichere bei jeder Form zuerst Screenshots mit Datum und Absender.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich gemobbt werde?

Hilfe bekommst du bei einer vertrauten erwachsenen Person, der Schulsozialarbeit oder dem Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“. Zeige dort deine Screenshots und sage: „Das wird über mich verschickt und ich brauche Hilfe, damit es aufhört.“ Bei konkreten Drohungen kannst du dich an die Polizei wenden.

Ist Cybermobbing strafbar?

Cybermobbing ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Einzelne Handlungen können trotzdem strafbar sein, etwa Beleidigungen, Bedrohungen oder das Verbreiten intimer Bilder. Sichere Nachrichten und Links unverändert und lass dich bei der Polizei oder einer Beratungsstelle zum nächsten Schritt beraten.

Was sind Beispiele für Cybermobbing?

Beispiele für Cybermobbing sind beleidigende Nachrichten, erfundene Gerüchte, gefälschte Profile und das Verschicken peinlicher Fotos ohne Zustimmung. Auch absichtliches Ausschließen aus einem Klassenchat kann dazugehören. Notiere zuerst, wo und wann es passiert ist, und sichere Screenshots.

HelpClinic

Hast du das Gefühl, dass es zu viel wird?

Wenn du in akuter Gefahr bist oder an Suizid denkst, rufe jetzt die passende Nummer unten an. HelpClinic ist kein Notfall- oder Krisendienst.

Akute Gefahr (Deutschland und EU)

112

TelefonSeelsorge (Deutschland)

0800 111 0 111
Andere Länder

Österreich

Notruf: 112

TelefonSeelsorge Österreich: 142 (rund um die Uhr, kostenlos, erscheint nicht auf der Rechnung)

Das sind externe Hilfetelefone, nicht HelpClinic. Notruf und Beratungsnummer sind kostenlos, die 112 gilt in der gesamten EU. Österreich steht unten. In der Schweiz erreichst du den Notruf über 112 und die Sanität über 144; bist du in einem anderen Land, findest du die dortigen Hilfetelefone auf findahelpline.com.

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